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Rezension

Kirsten Fuchs kann Westaben verbuchseln

„Eine Frau spürt so was nicht“ behauptet die Autorin in ihrer Kolumnensammlung

von Bernd Heinrich

Sachsen sind helle - sagt man. Also pfiffig, taff, klug, schlagfertig, voller Witz, um keine Antwort verlegen. Ebenso also selbstredend auch die Sächsinnen. Eine solche ist Kirsten Fuchs, zumindest eine geborene als damalige Karl-Marx-Städterin. Dass die inzwischen 34-Jährige später nach Berlin kam und dort auch aufwuchs, war gewiss nicht von Nachteil - sowohl für sie als auch für die Hauptstadt. Schon frühzeitig - nämlich mit zartpupertären 16 Lenzen - nahm die zugezogene Berliner Göre im pulsierenden Großstadtgetriebe an der „Schreibwerkstatt Berlin“ teil, um uns danach - so scheint es - unaufhörlich Tag und Nacht aus einem überquellenden literarischen Füllhorn ihre Erfahrungen mit besonderen Alltäglichkeiten, ihre aberwitzigen Kurzgeschichten und abwegigen Lebensweisheiten mitzuteilen.

Nutznießer dieses unerhört erstaunlichen Schreibfleißes waren schon in den Jahren 2003 bis 2005 die Leserinnen und Leser der „taz“. Seit dem Jahr 2007 ist Kirsten Fuchs Kolumnistin für „Das Magazin“. Dabei belässt es die qurlige, im positiven Sinne umtriebige Mutter zweier Söhne beileibe nicht dabei, für das 1924 von dem Filmregisseur Robert Siodmak gemeinsam mit dem Journalisten F. W. Koebner gegründete älteste deutsche Magazin lediglich einmal im Monat eine Kolumne zu liefern. Die Liste ihrer bisherigen Veröffentlichungen ist beachtlich. Auf der Haben-Seite der literarischen Erkenntnisse und Einsichten, Erfahrungen und Beobachtungen stehen etwa hundert Kolumnen, die beiden Romane „Die Titanic und Herr Berg“ sowie „Heile, heile“ und verschiedene CDs sowie mehrere Anthologien.

Neben weiteren Preisen wurde Kirsten Fuchs, die laut „Spiegel“ in der deutschen Gegenwartsliteratur ihresgleichen sucht, 2003 mit dem 11. „Open Mike“ geehrt. Dieser Literaturpreis der Literaturwerkstatt Berlin gilt neben dem Klagenfurter Ingeborg-Bachmann-Preis als wichtigster Wettbewerb für deutschsprachige Literatur-Neuentdeckungen.

Beweise für Fuchs' irre, flirrende, schrägschrille Phantasien, ihr Gespür für Gefühle, Sehnsüchte und Rituale liefern vorab bereits die Kolumnentitel. Sie versprechen in einer mitunter reizend kindlich anmutenden Philosophie tiefe Einsichten in das Leben von Eltern und Kindern, Omas und Wellensittichen, Mietern mit Macken und Miezen, Einblicke in ein Dasein zwischen Schwangerschaftsabbruch und Linkshändern, wohlklingenden Pupsen und mittelromantischen ostgotischen Männern - in Kreuzberg oder Stuttgart oder sonstwo...

Oh ja: Kirsten Fuchs ist auch eine Männerversteherin. Und sie kann - als unterhaltsamere Stufe höheren Nonsens - auch Westaben verbuchseln; also Buchstaben verwechseln. Nun ist das seit Ernst Jandls lecht-rinks-Vierzeiler „lichtung“ so neu nicht. Trotzdem wird es hie rund da immer wieder gern genommen. Eine Probe gefällig? Bitte sehr: „Hier hast du Kein und Wuchen, geh in den Warzschwald und bring ihn Moßgrutter. Sie ist schwank und krach.“ - Das meine Klädchen, welches in den Gald weschickt wurde, heißt Koträppchen. Aus dem gleichnamigen Märchen. Kirsten Fuchs dagegen gibt’s wirklich. Manchmal schreibt sie auch märchenhaft...

Dem 175 Seiten starken Büchlein – herausgegeben vom noch jungen, 2004 gegründeten Dresdner - also sächsischen - Verlag Voland & Quist in Kooperation mit dem Magazin - ist eine Audio-CD beigegeben. Hier liest Kirsten Fuchs einige ihrer Texte und liefert umgehend den Beweis für ein weiteres Talent: nämlich ihr Bühnentalent. Voland & Quist haben sich der Veröffentlichung junger, zeitgemäßer Literatur verschrieben. Seit 2010 werden zudem Kinderbücher ediert. Ja, sogar da könnte Kirsten Fuchs auch richtig sein.

Rezension von Bernd Heinrich

Kirsten Fuchs: Eine Frau spürt so was nicht, Mit Audio-CD,
Verlag Voland & Quist, Dresden 2011, in Kooperation mit “Das Magazin“,
170 Seiten, broschiert, 15,90 Euro,
ISBN-13: 9783863910006

 

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