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Rezension

Ein „Herztoter“ schreibt Tagebuch

Seit 13 Jahren beliefert Hans Zippert "Die Welt am Sonntag" mit seinen täglichen Kolumnen - außer sonntags

Von Bernd Heinrich

Jedesmal, wenn ich in der Straßenbahn lese, kann es vorkommen, dass andere Fahrgäste vermuten, ich hätte Schüttelfrost. Auch im Sommer. Meiner einstigen Kollegin Lili würde es ähnlich gehen. Sie fährt aber kaum mit der Bahn. Dafür liest sie genau wie ich so oft wie möglich die Kolumne „Zippert zappt“ auf der ersten Seite der „Welt“. Und dann passiert es mir regelmäßig: ein zunächst kaum merkliches Zittern weitet sich aus in ein unkontrolliertes Ganzkörperschütteln, oft begleitet mit zwanghaft unterdrücktem Kichern.

Schuld ist also Hans Zippert. Der 53-jährige Doppelhaushälftenbewohner aus Oberursel bei Frankfurt am Main schreibt seine pointierten, ebenso messerscharfen wie hintersinnigen sprachgewaltigen Kolumnen seit dreizehn Jahren – täglich außer sonntags – für Die Welt. Er lästert über Wahrsager und Hellseher, Tiersärge und Aktentaschen, Lukas Podolski und Zahnpastatuben, druckluftbetriebene Bustüren und Frauenärsche, 75-Watt-Birnen und Guido Westerwelle.

Schon diese Tatsache allein, dass einer über viertausend Mal auf Seite 1 einer überregionalen Tageszeitung mit seinem Namen steht, ist eine kolossale, guinessbuchverdächtige Langzeithöchstleistung und wurde deshalb auch völlig zu Recht 2007 und im Jahr 2011 erneut mit dem Henri-Nannen-Preis in der Kategorie Humor – dem sogenannten Humor-Henri – gewürdigt.

Zipperts satirische Wurzeln muss man vor allem in den Jahren 1987 bis 1995 suchen. Da arbeitete er zunächst als Redakteur und danach ab 1990 als Chefredakteur bem Satiremagazin „Titanic“. Nun wissen wir, dass der „Kapitän“ mit der papiernen Titanic nicht unterging. Vielmehr bestellt er den Alltagsacker jahreszeitenunabhängig mit einer schier überbordenden Ideenfülle. Nicht genug damit: die Themen des journalistischen Feuilletonisten sind üblicherweise auch noch tagesaktuell. Er stellt die wesentlichen alltäglichen Fragen unseres Daseins und beantwortet sie sogleich – witzig, geistreich, sorgsam. Diese kühnen und munteren Attacken sind gute, echte, humorvolle, unterhaltende Literatur. Zippert geht sorgfältig und solide mit der deutschen Sprache um. Dabei gelingen ihm unter Zuhilfenahme von lediglich 26 Buchstaben verblüffende, gänzlich neue Begriffe. Quasi als Fotograf des Tagtäglichen öffnet er unsere Augen, indem er ironisch augenzwinkernd ein Auge zukneift.

Er sinniert über Hohlwege im eigenen Kopf, die inflationäre Verbreitung dänischer Bettenlager, Amerikaner – im Osten mussten sie aus abgrenzungspolitischen Gründen Ammonplätzchen genannt werden – als seltenstes Gebäck der Welt. Er fragt sich, woher die Zeugen Jehovas – zu denen seine Tante Hannelore zählt – immer genau wissen, wann die Welt mal wieder untergeht. Er sorgt sich um eine eventuelle Mitschuld an der Griechenland-Krise, weil er schon über 25 Jahre nicht mehr beim Griechen aß. Und er behauptet schließlich, dass die neue Nationalhymne der DDR, wenn es die Einheit nicht gegeben hätte, von den „Randfichten“ komponiert worden wäre und mit der Zeile begönne: „Lebt denn der alte Honecker noch?“

Zippert sagt viel Heiteres, das einen tieferen Ernst hat. Harald Schmidt sagt: „Für mich ist er der Beste“. Ich sage: „Ohne Zippert wäre DIE WELT ärmer“.

Apropos Weltuntergang: Wir müssen uns keine Sorgen um das womöglich letzte Weihnachtsfest 2011 und den angeblich vom Maya-Kalender vorhergesagten Weltuntergang am 22. Dezember 2012 machen. Neuerdings erwarten ihn diverse Sekten erst im Jahr 2076

Rezension von Bernd Heinrich

Hans Zippert: Aus dem Leben eines plötzlichen Herztoten. Tagebuch eines Tagebuchschreibers.
edition TIAMAT, Berlin 2011.
173 Seiten, 15,00 EUR,
ISBN-13: 9783893201549

 

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