Hallanzeiger - Online Anzeiger für Halle Saale Montag, 20.11.2017
Startseite Archiv • Kontaktformular

Salon am Stadtbad

Charme & Chic

Hallescher Schlüsseldienst GmbH

monsator Hausgeräte Halle Gmbh

Pflege

Aktuelles
Lokalnachrichten    
Polizeimeldungen    
Aus dem Rathaus    
Sachsen-Anhalt Info    
Verbrauchertipps    
Vermischtes    
Anzeigenmarkt
Kleinanzeigenmarkt    
Branchen von A-Z    
Wohnungssuche    
Tiervermittlung    
Freizeit
Kino, Theater & mehr    
Was? Wann? Wo?    
Essen & Trinken    
Infothek
Bücherbord    
Links für Hallenser    
Hobbytipps    
Leserbriefe    
Service
Notrufnummern    
Tiernotdienst    
Apothekennotdienst    
Behördenwegweiser    
Schadstoffmobiltour    
Sperrmüllentsorgung    
Postleitzahlen    
Wir über uns
Kontakt    
Werbung    
Bannerwerbung    
Datenschutz    
Impressum    
Sie befinden sich hier: BUECHERBORD » ICH VERBINDE

Rezension

"Ich verbinde... - die ehemalige Hauptpost in Halle" von Simone Trieder

"Mitteldeutsche kulturhistorische Hefte", Band 21, Hasenverlag Halle (Saale)

Der hallesche Hasenverlag hat den mittlerweile 21. Band seiner beachtenswerten Mitteldeutschen kulturhistorischen Schriftenreihe ediert. Etwa jedes zweite Heft stammt aus der Feder von Simone Trieder. "Ich verbinde..." heißt lapidar ihr jüngster Band. Darin widmet sich die einstige Stadtschreiberin einem prächtigen Repräsentationsbau mitten in Halles Innenstadt: der ehemaligen Hauptpost und ihrer wechselvollen Geschichte. Gegenüber dem Joliot-Curie-Platz (früher: Alten Promenade), von der Großen Steinstraße (Poststraße) bis weit in den Hansering (Preußenring) hinein erstreckt sich die prachtvolle "Burganlage" im neoromanischen Stil. Mit einem den Gebäudekomplex dominierenden Turm und zwei Innenhöfen war sie in den Jahren 1892 bis 1896 erbaut worden; einer Zeit, in der Halle eine Oberpostdirektion der preußischen Provinz Sachsen beherbergte.

Ebenso sorgfältig wie fundiert recherchiert, mit nahezu hundert historischen Fotos und Dokumenten sowie einer Fülle von bisher zumeist umbekannten Fakten und Daten versehen, verspricht der Band auf 114 Seiten eine ebenso kurzweilig-originell wie anspruchsvoll-facettenreiche unterhaltsame Wissensvermittlung. Dabei spannt die Autorin einen Bogen von Postknechten, Postillionen und Straßenräubern über die zeitweilige Einrichtung eines "Büros für Plünderungen und Tumulte", den Einsatz von Post-Omnibussen bis hin zur Luftpost und unternimmt schließlich sogar literarische Abstecher zu Goethes "Italienische Reise" oder Ludwig Börnes "Monographie der deutschen Postschnecke".

Den bereits erwähnten dominanten Turm bekrönte einst ein 13 Meter hohes Stahlgerüst - der sogenannte Kabelturm. Von ihm waren die Fernsprechfreileitungen in alle Himmelrichtungen gezogen worden. Nachdem die Kabel seit Ende der 1920er Jahre unterirdisch verlegt worden waren, hatte er ab 1928 seine Funktion verloren. Der Präsident der Reichsbahndirektion verfügte deshalb 1938 die Entfernung des Gerüstes. Allerdings befürchtete er zudem im Kriegsfall mit dem weithin sichtbaren Turm ein besonderes gefährdetes Angriffsziel. Die Demontage verkürzte den Turm um eine Etage. Die gleichzeitig entfernte Turmuhr wurde später durch eine neue attraktive Tierkreiszeichen-Uhr ersetzt.

Die bauliche Ausdehnung des burgähnlichen Komplexes verdeutlicht auch die große Bedeutung, die man in der Kaiserzeit der Briefpost, dem Päckchen- und Pakettransport, der Telefonie und der Telegrafie beimaß. Seinerzeit benötigten die technischen Gerätschaften ob ihrer Größe entsprechende Räumlichkeiten. Allerdings zerstreut Simone Trieder Befürchtungen, E-Mails, Mobiltelefone und SMS-Versand würden bald den guten, alten Briefverkehr ersetzen. Ebenso, wie die oft totgesagten Bücher heute von einem Auflagenrekord zum nächsten jagen, will die Post, so schreibt die Autorin, für 2009 eine Zunahme des Briefverkehrs registriert haben. Allerdings wird wohl eine bis zu zwölfmalige tägliche Briefkastenleerung zu Zeiten Franz Kafkas ewige Historie bleiben...

Häufig sei das Gebäude am Hansering, so Trieder, "Zaungast" politischer Machtdemonstrationen gewesen. Beispielsweise wurde die Hauptpost während der Märzkämpfe 1919 als Hauptquartier der Regierungstruppen zur Festung erklärt. Kurz vor Kriegsende zerstörte ein Bombentreffer der Alliierten im März 1945 das Fernmeldeamt. 1967 wurde die "Rote Fahne" am Vorabend des 50. Jahrestages der russischen Oktoberrevolution eingeweiht. Zu DDR-Zeiten hatte die Staatssicherheit zur Postkontrolle unter permanenter Verletzung des Briefgeheimnisses Räume in dem Postgebäude gemietet. 1989 beschäftigte die Abteilung M der Staatssicherheit - zuständig für die Postkontrolle - hier in Halle 153 Personen. Im September 1989 wurden in der Bezirksverwaltung Halle 121.000 Sendungen "bearbeitet", im Oktober waren es 135.600. Halle gehörte zu den letzten Bezirksverwaltungen des Ministeriums für Staatssicherheit (MfS), die ihre Postkontrolle einstellten - im November 1989.
Das kann der Autor dieser Zeilen bestätigen. In den Unterlagen, die ihm von der BStU ausgehändigt wurden, befand sich die MfS-Kopie einer Einladung an einen ehemaligen Klassenkameraden am Bodensee zu einem Klassentreffen am 18. November 1989...

Seit 2007 ist die Hallesche Wohnungsgesellschaft mbH, mit deren Unterstützung "Ich verbinde..." erschien, Eigentümer und Nutzer des Gebäudes. 2008/09 wurde es umfangreich restauriert und renoviert. Die Post ist weiterhin Mieter, ebenso mehrere Dienststellen des Saalekreises, die unlängst aus dem bisher genutzten Gebäude in der Wilhelm-Külz-Straße auszogen.

Simone Trieder, die auch als Lektorin und Redakteurin arbeitet, schreibt gegenwärtig an einem neuen Roman. Sein Titel: "Chrzanszcz" (Der Käfer).

Rezension von Bernd Heinrich

Simone Trieder, "Ich verbinde...", Hasenverlag Halle (Saale), 2011, "Mitteldeutsche kulturhistorische Hefte", Band 21, 114 Seiten, 12.80 Euro, ISBN 978-3-939468-57-8

 

Seite bereitgestellt in 0.093s - © 2001 - 2017 wag