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Rezension

Auf der Suche nach dem „henro“

Gerald Koll pilgerte Japanisch auf einer Strecke von 1.300 Kilometern

Von Bernd Heinrich

Der Weg heißt „hachi-ju-hakkasho“ - 88 Heilige Stätten. Er liegt auf der japanischen Insel Shikohu. Mit 1.300 Kilometern ist er der längste Pilgerweg der Welt. Gerald Koll war als einer der wenigen Ausländer im Frühjahr 2007 sieben Wochen als Pilger auf dem asiatischen Jakobsweg unterwegs. Seine Eindrücke und Erlebnisse dokumentiert der Journalist und Filmemacher in dem sehenswerten Streifen „88 – Pilgern auf Japanisch“. Nach dem Film legt er jetzt das Buch „henro boke – Pilgern auf Japanisch“ vor.

Auf der langen Suche nach der Bedeutung des Begriffs „henro boke“ lässt uns Gerald Koll teilhaben an seiner abenteuerlichen, erkenntnisreichen, spannenden und eindrucksvollen Wanderung vom ersten bis zum 88. Tempel in einer für Europäer einerseits so fremden und geheimnisvollen, andererseits auch geradezu banal-alltäglichen Welt und schildert - häufig mit feiner Selbstironie – seine innere Befindlichkeit. Zumal er weder Buddhist ist noch die japanische Sprache und die fernöstlichen Sitten und Gebräuche beherrscht.

Auf der Pilgerstrecke, die etwa der Entfernung von Kiel nach Wien entspricht, sind ständige Anstiege und Gabelungen, verschlungene Wege und Abwege sowie beschwerliche Abstiege zu bewältigen, fortwährend Entscheidungen zu treffen für den hoffentlich richtigen Weg, für eine Übernachtung 40, 50 oder gar 60 Euro zu zahlen. Dabei stellt Gerald Koll fest, dass Automaten seine Kreditkarte nicht akzeptieren, japanisches Schnarchen dem deutschen sehr ähnelt, die asiatischen Pilger zuhauf in Bussen von Tempel zu Tempel meist freundlich winkend an ihm vorbeifahren und die Strecke in elf Tagen schaffen.

Zu schaffen machen dem Henro – so heißt der Pilger auf Japanisch – im Laufe der Wanderung Beschwerden im Darmtrakt, drei schmerzende Blasen an den Füßen, nächtliche Wadenkrämpfe und Zerrungen in den Kniescheiben. Die Sonne röstet seine Nase. Er tritt Kakerlaken und große Spinnen aus, bestreitet ein Drittel der Wanderzeit im Regen und stellt nach etwa 1.200 Kilometern fest, dass sein rechter Fuß sich in einem matschpflaumigen und käsigen Zustand befindet.

Koll begegnet einem Pilger, der in Japan, China, Indien und Nepal 24.928 Tempel besucht hat. Er erfährt von einem 82-jährigen Rekordpilger, der den Weg 385 Mal gegangen ist. Das sind 500.000 Kilometer; 62 Jahre lang mehr als sechs Touren pro Jahr. Und er weiß nun, des japanischen bis dahin überhaupt nicht mächtig, dass man rukkusakku mit Rucksack übersetzt und „doitsu biiru okay“ eben einfach „deutsches Bier ist in Ordnung“ heißt.

Für 50 Tage einschließlich Flug zahlte Gerald Koll beachtliche 5.500 Euro. Eine – zumindest teilweise – Entschädigung bieten die traumhaft schönen Landschaften, die morgendliche Sonnenaufgangsstimmung, Nebel verhangene Wälder, der Duft der glimmenden Weihrauchstäbchen, der Klang der Trommeln, der feine Regen auf der Haut. An all dem lässt der Filmemacher den Leser teilhaben. Trotzdem: Bei aller sprachlichen Meisterschaft und beeindruckender Schilderung der Eindrücke kann er in dem Buch nicht das (Nach-)Erleben vermitteln, das der Dokumentarfilm ermöglicht. Man sollte sich eine Kopie des kleinen, feinen Streifens beschaffen.

Bliebe noch nachzutragen, dass „henro boke“ den beschaulichen, betrachtenden, untätigen Gemütszustand beschreibt, den der Pilger im Laufe seiner Reise erlangen sollte.

Rezension von Bernd Heinrich

Gerald Koll: henro boke – Pilgern auf Japanisch
Edition Korrespondenzen, Wien 2011
198 Seiten 19,00 EUR
ISBN 978-3-902113-76-4

 

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