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Rezension

Sachsen-Anhalt – Pompeji – Klassische Antike

392-Seiten-Katalog begleitet die hochkarätige Ausstellung „Pompeji – Nola – Herculaneum“ im sachsen-anhaltischen Landesmuseum für Vorgeschichte Halle

von Bernd Heinrich

Vulkanausbrüche, Überschwemmungen und Erdbeben sind für das Leben am Golf von Neapel seit 40.000 Jahren belegt. Als eine der erschütterndsten Naturkatastrophen im antiken Rom gilt der Ausbruch des Vesuv 79 n. Chr. Die Städte Pompeji und Herculaneum werden zerstört. Tausende Menschen verlieren ihr Leben. Die fruchtbare Ebene am Fuße des Vulkans ist entvölkert. Zehn Milliarden Tonnen Lava begraben eine Fläche von etwa 15 Quadratkilometern Land rund um den Vesuv unter sich.

„Pompeji – Nola – Herculaneum. Katastrophe am Vesuv“ heißt eine wahrlich exklusive, Aufsehen erregende Ausstellung, die im Landesmuseum für Vorgeschichte Halle gezeigt wird und in deren Focus die Jahrtausende alte Besiedlungsgeschichte der Hänge und Ebenen des kampanischen Gebietes liegt. Bis zum 8. Juni 2012 wird die in mehrfacher Hinsicht große Exposition mit etwa 700 Exponaten auf einer Fläche von 1.300 Quadratmetern gezeigt. Wiederum werden erneut tausende Besucher aus dem In- und Ausland nach Sachsen-Anhalt und in die Händel-Stadt Halle reisen, um ein weiteres Ausstellungs-Highlight zu besuchen. Schon acht Wochen nach der Eröffnung am 9. Dezember 2011 konnte der 50.000. Besucher von Museums-Mitarbeitern begrüßt werden. Damit setzt das längst überregional wahrgenommene Landesmuseum das Angebot repräsentativer Ausstellungen – wie beispielsweise mit der Himmelscheibe von Nebra oder zur Luther-Archäologie – fort.

Parallel zur Ausstellung ist im renommierten, 1948 in München gegründeten Hirmer Kunstverlag ein ebenso wichtiger wie gewichtiger Katalog erschienen. Das 383 Seiten starke, umfangreiche Kompendium geht weit hinaus über einen lediglich die Ausstellung begleitenden Katalog. Die Liste der Autoren, sämtlich renommierte Historiker und Kunstwissenschaftler, die sich den beiden Herausgebern Harald Meller (Halle) und Jens-Arne Dickmann (Heidelberg) zugesellen, liest sich wie ein Who is who. Mitglieder des Wissenschaftlichen Beirates kommen aus Oxford und London sowie aus zahlreichen italienischen und deutschen Universitäten, Museen und Instituten.

Die Beiträge, Berichte und Abbildungen hochkarätiger Objekte von der Bronzezeit bis zur Spätantike erwecken die einst unter einer meterhohen Schicht aus Asche, Bimsstein und Schlamm erstarrten Zeit zu neuem Leben. Es ist schier unmöglich, aus der Fülle außergewöhnlicher und alltäglicher Exponate eine Auswahl zu treffen, gar Rang und Reihenfolge festzulegen. Viele herausragende Gegenstände sind in Halle erstmals außerhalb Italiens zu sehen. Die aufwändig gestalteten Fresken des Tricliniums von Moregine hingegen wurden letztmalig verliehen. Kongenial erläutert der Katalogtext die Bedeutung und Geschichte der ausgestellten Exponate und vertieft die optische Begegnung. Die prachtvolle Ausstattung eines römischen Stadthauses oder das Inventar einer bronzezeitlichen Hütte, ausgewähltes Essgeschirr, Goldschmuck, kunstvoll verzierte Helme, Schulter- und Beinschützer für Gladiatoren, Wohn- und Geschäftsräume, Lebensläufe von Pompejanern, die nahezu lebensgroße Bronzeskulptur des berühmten Herculaneischen Läufers – all dies betrachten wir Heutigen staunend, mit Ehrfurcht und in dem Bewusstsein, dass die Strahlkraft der römischen Kultur bis in unsere Zeit und in unsere Breiten reicht.

Der Eindruck nämlich, Mitteldeutschland habe wenig mit der Katastrophe am Vesuv zu tun, trügt. Die römische Hochkultur übte eine besondere Faszination auf die Nachbarn nördlich der Alpen aus. Sachsen-Anhalt kann ohne Überschwang als das Kernland der frühen Antikerezeption bezeichnet werden. Es gibt zahlreiche Berührungspunkte zwischen Sachsen-Anhalt, Pompeji und der Klassischen Antike. Der Begründer der Klassischen Archäologie, Johann Joachim Winckelmann, ist aus Stendal gebürtig. Fürst Leopold III. Friedrich Franz von Anhalt-Dessau ließ nach seiner Italienreise im Dessau-Wörlitzer Gartenreich einen künstlichen Vulkan errichten. Schließlich verdeutlicht die Präsentation des erst vor wenigen Jahren entdeckten römischen Goldschmucks aus dem Grab einer reichen Germanin bei Profen in Sachsen-Anhalts Süden weitere Assoziationen zwischen Pompeji und Sachsen-Anhalt.

Der liebevoll von Juaj Liptak gestaltete, reich auch mit großformatigen Farbfotos bebilderte Katalog ist sorgfältig gedruckt. Das Glossar, ein Verzeichnis historische Persönlichkeiten, Abkürzungs-Erklärung und Abbildungsnachweis erleichtern das tiefere Eindringen in die Thematik. Über den Besuch der Ausstellung hinaus garantiert der Katalog-Erwerb eine bleibende und jederzeit aufzufrischende Begegnung mit der stets neu faszinierenden klassischen Antike.

Rezension von Bernd Heinrich

Harald Meller, Jens-Arne Dickmann (Hrsg.), Pompeji – Nola – Herculaneum. Katastrophen am Vesuv,
Hirmer Verlag, München 2011,
392 Seiten, 79 Farb- und 5 Schwarz-Weiß-Tafeln, 162 Farb- und 16 Schwarz-Weiß-Abbildungen, 39,90 Euro,
ISBN: 978-3-7774-3801-6

 

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